Delfine und Heilung: Zwischen Wissenschaft und Spekulation

Der wissenschaftliche Stand der Forschungen kann derzeit so zusammengefasst werden, dass die verhaltenstherapeutische Verstärkerfunktion des Delfins im Rahmen tiertherapeutischer Behandlungen wie der Delfintherapie Erfolge erzielen. Mögliche delfininitiierte Heilungsfähigkeiten werden in den letzten Jahren vermehrt untersucht. Obwohl selbstinitiiertes Annäherungsverhalten auch bei gefangenen Delfinen beobachtet werden konnte, so muß festgestellt werden, dass a) Delfine im Rahmen der Delfintherapie nicht individuenübergreifend zwischen erkrankten und gesunden Kindern unterscheiden und b) im Rahmen von nicht (durch Delfintrainer) kontrollierten Mensch-Delfin- Interaktionen in Schwimmprogrammen dem Menschen gegenüber auch durchaus gefährdende Verhaltensweisen zeigen. Eine ausreichende Beschallung durch das Biosonar des Delfins konnte im Rahmen der Delfintherapie nicht nachgewiesen werden und somit scheint sich die positive Wirkung des Delfins hier auf tiertherapeutische Mechanismen zu reduzieren.

Die Untersuchungen der Biosonarnutzung und des selbst- initiierten Annäherungsverhaltens bei freilebenden Delfinen im Kontakt mit Menschen zeigten andere Ergebnisse. Hier konnte

a) ein ausschließlich nicht-aggressives Annäherungs- verhalten während unkontrollierter Mensch-Delfin- Begegnungen beobachtet und

b) eine delfininitiierte Beschallung von menschlichen Schwimmern im Rahmen des Annäherungsverhalten nachgewiesen werden.

Die umweltschonende Konservierung solcher Beschallungssequenzen und deren Einsatz in therapeutischen Settings scheint vielversprechend, wobei die wissenschaftliche Evaluierung möglicher physiologischer Wirksamkeiten noch aussteht.

Literatur:

Scheer, M. 2005. Delfinisches Heilverhalten. Zwischen Wissenschaft und Spekulation:

neue Erkenntnisse zur Delfintherapie. Krankendienst 7: 177-181.

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